057 Chinesische Literatur, KI und Energiewende – mit Anne Schlosser und Miriam Fritz

Shownotes

Intro · 00:00:43 – 00:20:47

  • Anne Schlosser neu im Team: Buchhändlerin, Buchwissenschaftlerin und Stimme hinter dem CNBW-Newsletter
  • Über Chinesischkurse und das CHIN-KoBe-Programm in Taiwan zum CNBW
  • Chinesische Literatur im deutschen Buchhandel: Science-Fiction, Übersetzungen und die Sichtbarkeit chinesischer Autorinnen und Autoren
  • KI im Buchmarkt: Was sich beim Lektorat verändert – und warum Anne menschliche Erfahrungen und Begegnungen wichtig findet
  • Vom Lieferfahrer zum Dichter: Wang Jibing und die Diskussion über literarische Anerkennung und politische Vorbehalte

Planet China · 00:20:47 – 00:44:35

Im Gespräch mit Miriam Fritz

Worum geht’s

  • China und Deutschland im Klimaschutzvergleich: Emissionen, Ausbau erneuerbarer Energien und Investitionen – mit unterschiedlichen Ausgangslagen und Maßstäben
  • Anteil versus Tempo: Miriam stellt dem deutschen Vorsprung im Strommix die chinesische Ausbaugeschwindigkeit gegenüber – Manuel fragt nach Größe und Energiebedarf
  • Ausgelagerte Emissionen: Welche Rolle die Verlagerung energieintensiver Produktion spielt, wenn Deutschland und Europa ihre Klimabilanz bewerten

Das Dashboard zum Nachlesen

Die wichtigsten Inhalte des im Gespräch erwähnten Dashboards „China vs. Deutschland – Energiewende & Klimapolitik“ findet ihr hier als Text. Grundlage ist das zur Podcast-Vorbereitung erstellte Papier mit Kernstatistiken, Strategien und Regulatorik im Vergleich.

Die folgenden Zahlen dokumentieren die Angaben des Dashboards, nicht einen aktualisierten Datenstand zum Veröffentlichungstag. Bezugsjahre, Abgrenzungen und Originalquellen sind darin nicht durchgehend ausgewiesen. Redaktionelle Ergänzungen sind ausdrücklich gekennzeichnet; die zusätzlichen Quellen belegen nicht automatisch jede Zahl des Papiers.

Kernstatistiken – Angaben des Dashboards

  • Globaler CO₂-Anteil: China 30 %, Deutschland 2 % – die Gegenüberstellung beginnt mit dem absoluten Beitrag zu den weltweiten Emissionen
  • CO₂ pro Kopf: China 10 t, Deutschland 7 t – das Dashboard beziffert den Unterschied mit rund 43 %
  • Jährlicher EE-Zubau: China 330 GW, Deutschland 15–20 GW – Grundlage für Miriams Schwerpunkt auf Ausbaugeschwindigkeit und China-Speed
  • Investitionen pro Jahr: China 500 Mrd. US-Dollar, Deutschland 50–70 Mrd. US-Dollar – im Dashboard ohne eindeutig abgegrenzte Investitionskategorie

Redaktionelle Ergänzung zu den Investitionen: Die IEA nennt für China 2024 mehr als 625 Mrd. US-Dollar für „clean energy investment“. Das ist ein breiterer Begriff als Investitionen ausschließlich in Erneuerbare und kein unmittelbarer Ersatz für den Vergleich im Dashboard. https://www.iea.org/reports/world-energy-investment-2025/china">IEA – Einordnung der Investitionen

Kohle & Erneuerbare – China vs. Deutschland

  • EE-Anteil am Strommix laut Dashboard: China 33 %, Deutschland 62 % – Deutschland liegt in dieser prozentualen Gegenüberstellung vorn
  • Kohleanteil am Strommix laut Dashboard: China 55 %, Deutschland 22,5 % – Ausgangspunkt für das im Gespräch diskutierte Kohle-Paradoxon
  • „Kohle-Trend 2024“ im Papier: China mit 80 % weniger Genehmigungen; Deutschland mit 18 stillgelegten Kraftwerken – unterschiedliche Kennzahlen, kein direkter Bestandsvergleich
  • „Überholpunkt EE“: Das Dashboard nennt für China „vor 2015“, ohne Bezugsgröße oder Vergleichsreihe näher zu erläutern

Die Kernaussage des Papiers: China habe Deutschland bei absoluten Kapazitäten überholt; Deutschland habe den höheren Anteil, China das höhere Ausbautempo. Manuel hält im Gespräch dagegen: Mehr erneuerbare Kapazität ist bei wachsendem Energiebedarf nicht automatisch gleichbedeutend mit weniger Kohlekapazität.

Redaktionelle Einordnung: Der von Greenpeace berichtete Rückgang der neu genehmigten Kohlekraftwerksleistung beträgt 79,5 % im ersten Halbjahr 2024 gegenüber dem ersten Halbjahr 2023 – nicht im gesamten Jahr. Weniger Genehmigungen bedeuten zudem nicht, dass der Kraftwerksbestand bereits schrumpft. https://www.greenpeace.org/eastasia/press/8605/china-approved-10-34-gw-of-new-coal-in-the-first-half-of-2024-a-79-5year-on-year-decrease-greenpeace/">Greenpeace – Zeitraum und Kennzahl

Auch beim Strommix kommt es auf die Abgrenzung an: Fraunhofer ISE nennt für Deutschland 2024 einen EE-Anteil von 62,7 % an der öffentlichen Nettostromerzeugung. Das ist nicht der Anteil am gesamten Energieverbrauch; für einen belastbaren Ländervergleich müssen die Kennzahlen gleich abgegrenzt sein. https://www.ise.fraunhofer.de/en/press-media/press-releases/2025/public-electricity-generation-2024-renewable-energies-cover-more-than-60-percent-of-german-electricity-consumption-for-the-first-time.html">Fraunhofer ISE – Deutsche Stromerzeugung 2024

NEV-Produktion China – Zahlenreihe aus dem Dashboard

Das Papier enthält folgende Werte und Bandbreiten für New Energy Vehicles (NEV). Es weist nicht eindeutig aus, welche Angaben Ist-Daten, Schätzungen oder Prognosen sind. Die Werte werden deshalb nicht als bestätigte Jahresergebnisse wiedergegeben.

  • 2024: Produktion 12,9 Mio. Fahrzeuge; Inlandsmarkt rund 12 Mio.; Export rund 1 Mio.
  • 2025: Produktion 16–16,5 Mio. Fahrzeuge; Inlandsmarkt rund 15 Mio.; Export 1–1,5 Mio.
  • 2026: Produktion 18–20 Mio. Fahrzeuge; Inlandsmarkt rund 16–18 Mio.; Export rund 2–3 Mio.

Das Dashboard verbindet diese Zahlen mit der These einer globalen Führungsrolle Chinas und nennt 60 % des Weltmarkts für E-Fahrzeuge. Bezugsjahr und Marktdefinition bleiben dabei offen. Produktion, Inlandsmarkt und Export sind im Papier ebenfalls nicht methodisch näher definiert.

Im Gespräch ergänzt Manuel die andere Seite: Rabattschlachten, Überproduktion und Ressourcenverbrauch. Seine persönlichen Fahrzeugangebote dienen als Alltagsbeispiel – nicht als vollständiger Marktvergleich.

Nachhaltigkeitsregulierungen – CSDS vs. CSRD

Dieser Teil stammt zusätzlich aus dem Dashboard und wird im Gespräch nicht vertieft. Er erweitert den Vergleich von Energie und Fahrzeugen um Nachhaltigkeitsberichterstattung, Daten und Wertschöpfungsketten.

  • Strategie im Papier: Chinas CSDS als Top-down-Ansatz, unter anderem mit MoF, PBoC und MEE – die europäische CSRD mit EU-Regeln und nationaler Umsetzung
  • Weitere Vergleichsdimensionen: Doppelte Wesentlichkeit, Scope-3-Emissionen und Lieferketten – im Dashboard als Fragen unterschiedlich weitreichender Berichterstattung angelegt
  • Zielwirkung laut Dashboard: Kapitalstrom-Lenkung über Daten in China; Compliance und Transparenz in der EU
  • Leitthese: China nutze ESG-Reporting stärker als strategisches Lenkungstool, die EU stärker als Compliance-Instrument – eine zugespitzte Einordnung des Papiers

Redaktionelle Einordnung: Die konkreten Unternehmenszahlen, pauschalen Pflichtangaben, Starttermine und Sanktionen aus der Tabelle übernehmen wir nicht als geltenden Rechtsstand. Die chinesische Bekanntmachung zum Basisstandard von 2024 sieht zunächst freiwillige Anwendung vor, solange Umfang und Anforderungen nicht gesondert geregelt sind. Das ist keine Aussage über sämtliche anderen chinesischen Berichtspflichten. Die EU hat die CSRD 2026 erneut geändert. https://kjs.mof.gov.cn/zhengcefabu/202412/t20241216_3949745.htm">Chinesisches Finanzministerium – Basisstandard · https://www.consilium.europa.eu/en/press/press-releases/2026/02/24/council-signs-off-simplification-of-sustainability-reporting-and-due-diligence-requirements-to-boost-eu-competitiveness/">Rat der EU – Änderungen vom Februar 2026

Vier Kernbotschaften des Dashboards

  • „China = Sünder UND Vorreiter“: Hohe Emissionen und der Ausbau sauberer Technologien werden als zwei Seiten derselben Entwicklung verstanden
  • „Tempo schlägt Prozent“: Das Papier verdichtet den Vergleich auf einen 15–20-mal schnelleren Ausbau – als zugespitzte These, nicht als größenbereinigten Ländervergleich
  • „Wertschöpfungskette kontrollieren“: Wer Standards setzt, beeinflusst nach der Argumentation des Dashboards auch globale Märkte
  • „CSDS ≠ CSRD“: Strategische Lenkung in China und Compliance-Denken in der EU als zugespitzte Gegenüberstellung des Papiers

Im Gespräch ergänzt: Energiewende-Trilemma und Vehicle-to-Grid

  • Das Trilemma: Kohle ablösen, genügend Speicher aufbauen und eine stabile, bezahlbare Stromversorgung sichern – drei miteinander verbundene Aufgaben
  • Kohle als Puffer: Miriam beschreibt bestehende Kohlekapazitäten als Übergangslösung, bis Erneuerbare, Speicher und Netze mehr übernehmen können
  • Vehicle-to-Grid: Elektroautos als mobile Stromspeicher, die über bidirektionales Laden Energie ins Netz zurückspeisen können
  • Batterieverschleiß und Vergütung: Manuel fragt, unter welchen Bedingungen private Fahrzeugbatterien dem Stromnetz zur Verfügung stehen sollten
  • Batterietausch und Leasing: NIOs Modell dient im Gespräch als Anknüpfungspunkt für andere Eigentums- und Nutzungsmodelle von Fahrzeugbatterien
  • Pilotprogramm versus Alltag: Manuels Wallbox mit Tag- und Nachttarif zeigt, warum angekündigte Konzepte noch nicht überall im Alltag angekommen sein müssen
  • Raum zum Ausprobieren: Beide diskutieren staatlich unterstützte Pilotprogramme – und den Umgang mit Experimenten, die auch scheitern dürfen

Denk ich an Deutschland · 00:44:35 – 00:50:31

  • Neue Kolumne mit Manuel: ein Blick aus China auf deutsche Debatten – mit einem Gruß an Heinrich Heine
  • Wärmepumpe versus Klimaanlage: Warum Manuel die Gegenüberstellung von Heizen und Kühlen hinterfragt
  • Hitzeschutz in Schulen und Pflegeeinrichtungen – und die Frage, wer sich eine Klimaanlage leisten kann
  • Preisvergleich China–Deutschland: Manuels Kritik an hohen Installationskosten und möglichen Mitnahmeeffekten bei Förderungen

Kalender und Schluss · 00:50:31 – 00:54:20

Alle Termine, Details und Anmeldungen gibt es im CNBW-Veranstaltungskalender. ```

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